Kellnerin im frühen Ofenloch

Hier eine der Geschichten aus dem frühen Ofenloch. Aus dem Werk „Die Prostitution in Wien“, J. Schrank, 1886.

„Es war am 11. Februar 1775 als im Gasthaus zum alten Ofenloch, da bereits 9 Uhr abends die Gäste sich entfernt hatten, aber die Lichter nicht verlöscht waren, wie alltäglich um 10 Uhr durch den Flur das Gastzimmer sich mit Gästen wieder füllte.

Der Wirt nickte hinter seinem Schanktisch. Ein schlankes schönes Mädchen mit rosigen Wangen und kastanienbraunen Zöpfen kredenzte den Gästen. Von dem knapp umschließenden Ledergürtel hing zierlich kokett ein kleines gesticktes Täschchen und eine weiße Schürze mit weißen Bändchen achselüber befestigt, deckte den schwellenden Busen.

Leuchtenden Auges und mit lieblichem Lächeln brachte sie den Zechern Speis und Trank, mit lustigem Lachen oder zierlichem Schmollen die Schäckereien der Gäste erwidernd.

So währte es eine Stunde, das Geschwätz wurde immer lauter, die Fröhlichen immer lärmender. Auf einmal aber verstummten alle, die Kellnerin klammerte sich erbleichend an den Schanktisch. Es wurde an der Gassentür heftig gepocht und raue Stimmen riefen: „Aufmachen!“.

Viele wollten zur Flurtür hinaus, andere das Licht ausblasen. Nach einigen Axthieben flog die Tür in die Stube und vier Rumorknechte mit dem Rottenmeister an der Spitze stürzten mit blinkenden Waffen herein. Sie waren mit Laternen versehen.

Nach einigen Augenblicken gewahrte der Rottenmeister die Kellnerin am Schanktisch, fasste sie unsanft bei der Schulter und rief: „Da haben wir ja das Mensch!“. Die Rumorknechte sprangen herbei, legten ihr Handschellen an und schleppten sie fort.

Das Verbrechen des Mädchens war eine Kellnerin gewesen zu sein. Über das Schicksal der Kellnerin ist nichts bekannt, vermutlich wurden ihr die Haare geschoren und sie kam ins Spinnhaus – dem Arbeitshaus. Dem Wirte wurde die Schankgerechtigkeit entzogen.“

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